Sie ist eine attraktive, gepflegte Frau mit einem ruhigen, ausgeglichenen Auftreten. Obwohl sie viele Menschen kennenlernen könnte, meldet sie sich nicht einmal auf einer Partnerplattform an. Nach all den Jahren ist sie zu der Überzeugung gekommen, dass es im Moment keinen besonderen Sinn für sie hat, aktiv nach einer Beziehung zu suchen. Andere Bereiche ihres Lebens stehen derzeit einfach mehr im Mittelpunkt.
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Natürlich geht sie weiterhin zur Arbeit. Im Büro wirkt sie wie immer professionell, zuverlässig und ordentlich. Ihre Kollegen schätzen ihre ruhige Art, ihren Humor und ihre Verlässlichkeit. Zu Hause dagegen nimmt sie sich weniger Zeit für kleine äußere Details, die ihr früher wichtig waren – nicht, weil sie ihr egal geworden sind, sondern weil sie ihre Energie bewusst anders einteilen möchte. Sie sagt, dass sie sich heute stärker auf ihr Wohlbefinden, ihre Gesundheit und ihre Hobbys konzentriert.
Einmal erzählte sie, dass sie während des Urlaubs am Meer nur das Nötigste macht: ein einfaches Outfit, ein Spaziergang an der Küste, ein gutes Buch. Sie empfindet diese Schlichtheit als wohltuende Phase der Entspannung und Gelassenheit. Statt ständig an Erwartungen anderer zu denken, versucht sie, mehr auf sich selbst zu hören.
Der Wendepunkt begann, als ihr früherer Partner kurz nach der Trennung eine neue Beziehung einging. Für ihn war es offenbar eine Zeit des Neuanfangs. In seiner neuen Partnerschaft fühlte er sich nicht mehr verpflichtet, ständig perfekt wirken zu müssen oder strenge Routinen einzuhalten. Er beschrieb es als eine Befreiung von äußerem Druck.
Er sprach so ruhig und freundlich darüber, dass ich selbst anfangen musste, darüber nachzudenken, wie sehr äußere Erwartungen unser Verhalten beeinflussen – sei es im Beruf, in Beziehungen oder im Alltag. Ich war froh, dass meine eigene Beziehung davon bisher nicht betroffen war, aber das Thema blieb in meinen Gedanken.
Vor Kurzem unterhielt ich mich mit einer ehemaligen Mitschülerin über moderne Gewohnheiten im Alltag – von Kleidung über Pflege bis hin zu kleinen Ritualen, die Sicherheit geben. Ihre Reaktion überraschte mich. Ich wollte niemanden verunsichern, es war ein ganz normales Gespräch über Dinge, die viele Menschen beschäftigen.
Sie erzählte mir, dass bestimmte äußere Routinen für sie schon lange eher eine Belastung darstellen. Sie empfindet sie als aufwendig, teilweise unangenehm, und sie versucht deshalb, einfache und alltagstaugliche Lösungen zu finden. Seit etwa drei Jahren wählt sie für Firmenfeiern und besondere Anlässe fast immer Kleidung mit langen Ärmeln. So fühlt sie sich wohler, freier und selbstbewusster – sie muss nicht ständig darüber nachdenken, wie sie auf andere wirkt.
Auch zu Restaurantbesuchen, Geburtstagen und Hochzeiten trägt sie inzwischen gerne solche Outfits. Ihre Freundinnen verstehen sie gut und unterstützen ihre Entscheidungen. Für sie ist es ein Beispiel dafür, wie man seinen eigenen Weg finden kann: weniger Perfektion, mehr Authentizität.
Am Ende geht es beiden Frauen um dasselbe: ein Leben zu führen, in dem sie sich mit ihren Entscheidungen wohlfühlen – unabhängig davon, ob sie in einer Beziehung sind oder nicht.